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Streaming – Zusatzeinnahme oder verpasste Verkäufe?

Streaming – Zusatzeinnahme oder verpasste Verkäufe?

Die brennende Frage rund um das Thema Streaming ist, ob Streaming hilft, Musik zu promoten und nebenher ein Bisschen Geld zu verdienen, oder ob es den Kauf von Musik ersetzt und dadurch Verluste beschert. Stellen wir heute einmal beide Seiten gegenüber:

Hintergrundgedanken
Was sich die Erfinder gedacht haben, werden wir wohl nicht wirklich erfahren, insbesondere als sie Musik anfänglich zum Streamen bereit gestellt haben, ohne irgendjemanden dafür zu vergüten – aber hier hat ja schon Youtube als Vorbild gedient. Sehen wir Streaming als Alternative zum Radio, ist es eine gute Idee. Wer nicht im Radio gespielt wird, hat zumindest die Chance, beim Streamen entdeckt zu werden. Die Fakten sind jedoch hart: ein paar verhältnismäßig wenige Titel sind für den Großteil des Aufkommens verantwortlich, rund 30% der verfügbaren Songs kamen bisher nicht ein einziges Mal zum Einsatz.

Ob es nun werbetechnisch effektiver ist, einmal vor 10.000 Hörern im Radio gespielt oder lieber von genauso vielen Menschen über eine Streamingplattform gehört zu werden, soll jeder für sich entscheiden. Tatsächlich ist es wohl einfacher, einen Radioredakteur zu einem einzelnen Einsatz zu überreden als 10.000 Streaming Nutzer zu gewinnen. Dann wiederum ist der Streamer wohl näher am Song und der Band als ein Radiohörer auf der Autobahn.

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Bezahlte Promotion
Befürworter, und dazu zählen insbesondere die Streamingdienste selbst sowie Übermittler kluger Ratschläge, sehen Streaming als Chance für unbekannte Musiker entdeckt zu werden und obendrein eine kleine Vergütung zu erhalten. Ähnlich also wie beim traditionellen Radio, nur dass eben pro tatsächlichem Hörer abgerechnet wird und nicht per erreichbarer Masse.

Von den geringen Geldern, die selbst Superstars für millionenfache Streams erhalten, lassen sich die Befürworter nicht abschrecken. Musiker ohne Label könnten pro Stream ohnehin wesentlich mehr verdienen als Majorkünstler, da eben die Plattenfirma, welche den Großteil der Einnahmen für sich beansprucht, nicht vorhanden sei und folglich nicht mitverdienen könne. Außerdem seien die Vergütungen von Majorkünstlern ohnehin um die bereits erhaltenen Vorschüsse bereinigt, so der Indiemusiker iamthegif.

Weiterhin sind Streaming Befürworter vom Werbeeffekt überzeugt, gehen also davon aus, dass Nutzer, die einmal gefallen an einem Song gefunden haben, diesen auch tatsächlich kaufen und eben nicht wiederholt streamen werden.

Verpasste Verkäufe
Dramatisch dürfte es aber für alle Musiker werden, wenn Streaming am Ende doch den Kauf eines Albums, einer Single oder eines Downloads ersetzt. Warum sollte jemand einen Song kaufen, wenn er ihn auf Wunsch in Dauerschleife für wesentlich weniger Geld streamen kann? Bei den aktuellen Vergütungen müsste ein Song im Schnitt rund 200 mal gestreamt werden, um den Kauf eines Single-Downloads finanziell zu rechtfertigen – und einmal ehrlich, wer hört sich schon jeden Song eines Albums 200 mal an?

Musiker und Labels haben aber immerhin selbst die Wahl, ob sie ihre Musik zum Streamen anbieten oder nicht. Viele Indielabels berichten von höheren Albumverkäufen, seit sie im Rahmen der Albumveröffentlichung zunächst auf Streaming verzichten und erst nach drei bis sechs Monaten die betreffenden Songs freigeben.

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Chance für ungesignte Musiker
Für Selbstvermarkter bleibt die berechtigte Hoffnung auf die treuen Fans und Sammler, die im Gegensatz zum ordinären Konsumenten den Großteil ihrer Fangemeinde ausmachen. Jene Freunde guter Musik, welche die Kreativen bewusst unterstützen und für sich selbst lieber ein zumeist physisches Gesamtpaket in Händen halten als einen beiläufigen Stream.

Ob Streaming hierfür die richtige Entdeckungs- und Marketingplattform ist, muss sich noch zeigen. Denn wie fast immer liegen keine Statistiken vor, die auf den Berichten selbstvermarktender Musiker basieren. Sicherlich ist hier auch die Stilrichtung ausschlaggebend für das Kauf- und Entdeckungsverhalten der jeweiligen Zielgruppe. Während in Stilistiken mit jüngeren Zielgruppen wie etwa Hip Hop oder Mainstream Pop Streaming mehr Gewicht hat, nutzen Hörer traditionellerer Musikrichtungen wie etwa Heavy Metal oder Jazz eher Magazine, Blogs und Websites als Informationsmedien – oder eben Youtube, wobei wir hier schon fast wieder die Kurve zum Streaming hinbekommen…

Das große ?
Die Patentlösung gibt es hier also (noch) nicht, dazu liegen noch zu wenige Erfahrungen vor, insbesondere aus dem Untergrundbereich, in dem sich ungesignte Musiker bewegen. Die Zeit wird es uns irgendwann sagen, und bis dorthin gilt, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, sondern die eigene Promotion zu diversifizieren und mit eigenen Augen und Gefühl die Wirksamkeit der jeweiligen Methoden zu beurteilen.

Die MusicBiz Madness Konferenz 2015 findet am 11.10.2015 in Frankfurt statt. Hier erfährst Du alles über Programm, Themen und Anmeldung.

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About the Author

Julian Angel

Julian Angel ist chartnotierter Rockmusiker mit Hollywood Credits, Eventproduzent und Organisator der MusicBiz Madness Konferenz, Deutschlands erster Musikbusiness Konferenz für Musiker.

Comments
Oliver Sittl  28 Aug 2015

Wenn man weiß, dass der durchschnittliche CD-Käufer 2 CDs im Jahr erwirbt, der Abo-Streamer aber 9,90 im Monat hinblättert, wundert einen der aktuelle Voting-Stand. Sollte Streaming immer noch als Download-Ersatz missinterpretiert werden? Audio-Streaming ist Radio on Demand (“RoD”), so wie Video-Streaming Video/TV on Demand (VoD) ist. Und endlich wird für Master-Usage im “neuen Radio” sogar gezahlt, und nicht nur etwaige CD-Verkäufe in Aussicht gestellt – bei Zahlung von Cash zumindest an die Autoren. Und das beste: Streaming beeinflusst Download-Verkäufe positiv: Auf Streaming-Peaks folgen Download-Peaks – wie unsere Labels in Echtzeit sehen können. Ob & in welchem Ausmaß goldene Zeiten anbrechen hängt folglich davon ab, wie stark dieser neue Service angenommen wird.

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