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Wann Lohnt Sich Ein Plattenvertrag?

Wann Lohnt Sich Ein Plattenvertrag?

Eigenvertrieb vs. Plattenfirma – beides hat seine Vor- und Nachteile. Bei der Do-It-Yourself Methode ist pro verkaufter Einheit mehr zu verdienen, dafür kann ein Plattenlabel höhere Stückzahlen bewegen. Wir wollen heute erörtern, wie lange man den Alleingang beibehalten sollte und wann es sinnvoll ist, die Musik einem Label zu übergeben.

Lasst uns ein wenig rechnen. Da Verkaufspreise sowie prozentuale Beteiligungen an Verkäufen natürlich variieren, und da insbesondere beim Eigenvertrieb unterschiedliche Modelle zum Tragen kommen (Direktverkauf, Verkauf über Händler), kalkulieren wir hier mit groben Durchschnittswerten.

Da die Methoden zur „Herstellung“ der Musik so stark variieren (teures Studio vs. kostenloses Homerecording), berücksichtigen wir hier keine Herstellungskosten. Diese müssten also vom jeweiligen Umsatz abgezogen werden.

Und weil gerade im Underground- und Nischenbereich komplette Alben gegenüber Singles deutlich gefragter sind, rechnen wir mit Albumwerten.

Besten Dank an dieser Stelle an Oliver von Believe Digital für die übermittelten Beteiligungsmodelle und Statistiken.

 

Do-It-Yourself
Wir müssen beim Eigenvertrieb bedenken, dass hier auf Grund der begrenzten Reichweite mit weitaus geringeren verkauften Einheiten zu rechnen ist als wenn ein Label mit einem gewissen Werbebudget und einem (weltweiten) Vertrieb hinter der Veröffentlichung steht.

Laut einer Statistik von CD Baby verkauft ein Musiker im Durchschnitt 88 Einheiten eines Albums. Hier sind sowohl physische als auch digitale Verkäufe berücksichtigt. Wer auf 500 Einheiten kommt, ist als Selbstvermarkter gut im Geschäft, ab 1.000 Stück darf man sich durchaus schon „von“ schreiben.

 

Do-It-Yourself physisch:

  • Im Direktverkauf bei Konzerten oder über die eigene Website gehen wir von einem Nettoumsatz von rund EUR 10,00 pro CD aus.
  • Beim Verkauf über Händler kalkulieren wir im Schnitt mit EUR 6,00 netto pro CD (Händler haben sehr unterschiedliche Beteiligungsmodelle)

Wenn wir einmal von einem gleichmäßigen Anteil beider Verkaufsarten ausgehen, also 50:50, kann eine Band im Eigenvertrieb pro Album CD netto EUR 8,00 verdienen.

 

Do-It-Yourself digital:

  • Vom Downloadkuchen bleiben den Rechteinhabern nach Abzug von Mehrwertsteuer und den mechanischen Tantiemen sowie dem Anteil des Aggregatoren rund 55%. Im Fall der Selbstvermarktung ist die Band alleiniger Rechteinhaber.
  • Bei einem Albumdownload zu EUR 9,99 sind das rund EUR 4,60 netto.

 

Do-It-Yourself Total:

Allgemein machen physische Tonträger in Deutschland knapp über 60% des Gesamtumsatzes aus. Auf Grund der Hingabe der Fans ist er im musikalischen Untergrund erfahrungsgemäß deutlich höher (bei vielen Metal Bands nicht selten bis zu 90%), doch gehen wir einmal von 60% physisch und 40% digital aus.

Daraus ergibt sich dann pro verkauftem Album ein Ertrag von EUR 6,64 (netto).

Je nach Anzahl der verkauften Einheiten kassiert die Band dann insgesamt

100 St.:    EUR    664,00
500 St.:    EUR 3.320,00
1.000 St.: EUR 6.640,00

Dies sind nur die reinen Nettobeträge, die auf dem Konto der Band landen können. Wie bereits erwähnt sind Ausgaben für Produktion, Pressung und Promotion nicht berücksichtigt.

 

Mit Plattenvertrag
Hier will natürlich die Plattenfirma auch Geld für ihre Leistungen sehen. Wir gehen einmal von einer „richtigen“ Plattenfirma aus, die auch über ein Vertriebsnetzwerk verfügt und Geld für Promotion bereithält.

Bei den meisten Untergrundthemen erwerben die Labels die Rechte an der bereits fertigen Aufnahme im Rahmen eines Lizenzdeals, etwas antiquiert auch: ‚Bandübernahmevertrag’ (von „Tonband“, nicht von „Band“ wie „Musikgruppe“). Hier kümmert sich die Band um die Produktion und finanziert diese auch, im Gegenzug erhält sie eine höhere Beteiligung an den Verkäufen. Diese kann zwischen 12% und 20% liegen.

 

Label physisch:

  • Lasst uns großzügig denken und von einer Beteiligung der Band von 18% ausgehen.
  • Grundlage hierfür ist der Abgabepreis an den Handel, der je nach Endpreis bei rund EUR 9,00 netto liegt (Endpreis abzüglich MwSt. und Händlermarge).

Daraus folgt eine Nettoeinnahme von EUR 1,62 pro verkaufter CD.

Hinzurechnen wollen wir hier die GEMA Tantiemen für die Urheber (die in diesem Beispiel zur Band gehören). Diese liegen hier bei knapp EUR 0,60 netto pro CD, den Verlagsanteil wird sich das Label sichern.

Anmerkung: Auf Grund der Schwierigkeit als Selbstvermarkter an seine eigenen selbst entrichteten mechanischen Tantiemen zu gelangen haben wir diese – realistischerweise – beim Do-It-Yourself Beispiel vernachlässigt.

Kurzum, zählen wir Bandanteil und Urhebertantiemen zusammen, ergeben sich daraus Einnahmen in Höhe von EUR 2,22 pro CD.

 

Label digital:

  • Dem digitalen Albumverkauf über ein Label legen wir die Erkenntnisse aus dem Do-It-Yourself Beispiel zu Grunde. Dort hat die Band den Labelanteil mitkassiert. Dieser Labelanteil kann wiederum variieren. Übernimmt das Label lediglich administrative Aufgaben, ist ein Split von 80% (Band) und 20% (Label) angebracht. Bei Labels, die sich auch um die komplette Promotion kümmern, hat sich ein glatter 50:50 Deal weitgehend etabliert.
  • Den Anteil von 55% aus dem Do-It-Yourself Beispiel halbieren wir also zu zwei Teilen à 27,5%.
  • Die oben genannten EUR 4,60 pro digitalem Albumverkauf halbieren sich demnach zu EUR 2,30, die für die Band übrig bleiben.

 

Label total:

Gehen wir wieder von einem 60:40 Verhältnis zwischen physisch und digital aus (in Wirklichkeit wahrscheinlich deutlich mehr physisch), kommen wir auf einen Nettoanteil von EUR 2,25 pro verkauftem Album.

100 St.:    EUR    225,00
500 St.:    EUR 1.125,00
1.000 St.: EUR 2.250,00
2.000 St.: EUR 4.500,00
3.000 St.: EUR 6.750,00

 

Fazit:
Anhand der bewusst einfach gehaltenen Rechenbeispiele können wir über den Daumen gepeilt grob erkennen, dass ein Label stets in der Lage sein müsste, dreimal so viele Einheiten zu verkaufen wie wir in Eigenregie an den Fan bringen können. Dann lohnt sich ein Deal mit einer Plattenfirma.

Wo eine selbstvermarktende Band an ihre eigenen Grenzen stößt, muss sie allerdings selbst feststellen…

Ich betone noch einmal, dass es sich hier um grobe Zahlenbeispiele handelt. Jeder Deal, ob mit Plattenfirma oder einem Händler, ist anders und je nach Gewichtung und Forcierung vereinzelter Verkaufswege von Seiten der Band können sich Anteile und damit auch Zahlen verschieben.

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About the Author

Julian Angel

Julian Angel ist chartnotierter Rockmusiker mit Hollywood Credits, Eventproduzent und Organisator der MusicBiz Madness Konferenz, Deutschlands erster Musikbusiness Konferenz für Musiker.

Comments
Christopher Bruckner  11 Nov 2017

Danke für diesen tollen Blogeintrag, sehr empfehlenswert.

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