Erfolgreich bei Plattenlabels bewerben

Ging es beim letzten Mal um die erfolgreiche Präsentation von Songs bei Musikverlagen, wenden wir uns heute den Plattenlabels zu. Hier sind die Spielregeln etwas anders, schließlich geht es nicht nur um Deine Musik, sondern auch um Dich selbst als Band oder Interpret.

Die Hauptaufgabe eines Plattenlabels besteht darin, Deine Musik auf physischem sowie auf digitalem Wege zu vertreiben. Damit dies besonders gut gelingt, kümmert sich das Label auch noch um die Vermarktung in sämtlichen Medien, organisiert Radio- und Fernsehauftritte, Autogrammstunden und Tourneen – natürlich je nachdem, wozu das Label mit seinem Einfluss und seinem Geld fähig ist.

Bevor Du jetzt loslegst, Plattenlabels zu kontaktieren, ist es wichtig, Dir selbst auch hier einige Fragen zu stellen und eine Antwort dafür zu finden:

  1. bist Du für ein Plattenlabel überhaupt interessant?
  2. kannst Du dem Plattenlabel bereits eine solide Basis bieten, die Du Dir selbst erschaffen hast?
  3. bist Du nicht nur bereit, sondern auch fähig, mit einem Label an Deiner Karriere zu arbeiten?

Wir wollen natürlich davon ausgehen, dass Du gute Musik machst, die einem bestimmten Publikum gefallen kann. Dies kann ein „ich-höre-alles“ Mainstreampublikum sein oder auch ein ganz spezielles in einer ganz bestimmten Nische wie House, Jazz, Death Metal usw.

Natürlich wird das Label zunächst anhand Deiner Musik entscheiden. Und da kommen wir zum ersten kritischen Punkt:

 

Demo Produktion

Natürlich passiert es immer wieder, dass sich Musiker mit einem schlichten Demo aus Klavier mit Stimme erfolgreich bewerben und einen Plattenvertrag bekommen. Dies setzt aber voraus, dass die zuständigen Herrschaften an den Schreibtischen der Plattenfirmen über genügend Kreativität verfügen, um zu erkennen, wohin die Reise mit solchen Musikern gehen kann.

In den meisten Fällen kommen solche Deals aber zustande, indem die Musiker ihr schlichtes Demo einem (wesentlich kreativeren) Produzenten vorstellen, dieser dann gemeinsam mit ihnen eine Richtung findet und dann das fertige Produkt einem Plattenlabel vorlegt.

Und hier haben wir schon das Stichwort: fertiges Produkt. Da den meisten A&R Managern leider die Vorstellungskraft fehlt, aus einer simplen Klavierspur eine Latin Ballade oder einen House Track herauszuhören, liegt es an Dir, Dein Demo so zu arrangieren und die jeweiligen Sounds so auszuwählen, dass auch der unkreativste Mensch Deine Musik einer bestimmten Stilrichtung zuordnen kann. Und ja, auch bei Hybridthemen lässt sich eine Kategorie finden.

Besonders wichtig ist natürlich die Qualität des Gesanges. Dieser sollte hundertprozentig sitzen und so produziert sein, dass er ebenso hochprozentig zur Geltung kommt und die von Dir interpretierten Emotionen entsprechend herüberbringt. Hier zahlen sich Aufwand, Mühe, Selbstkritik und gegebenenfalls auch extra investiertes Geld aus.

Je nach Stilrichtung sollte Dein Demo den Sounds entsprechen, die in dem betreffenden Genre gefragt sind. Deine Club Hymne sollte also in puncto Kick, Bass, Druck und Frequenzgang mit jenen Tracks mithalten können, die Wochenends in den Clubs und Discotheken laufen. Bei einer Hard & Heavy Band ist wiederum der Gitarrensound von Bedeutung, da dieser den Unterschied liefern kann, ob die Gruppe als Hard Rock oder schon als Metal eingestuft werden kann. Also leihe Dir für die Demoproduktion lieber ein großes Stack aus, wenn Du zu Hause nur einen Brüllwürfel besitzt.

Natürlich erwartet niemand von Dir – abgesehen von ein paar ganz krassen Gestalten – dass Du zu Hause oder im Proberaum ein Demo zusammenstellst, das bereits auf internationalem Standard produziert ist. Trotzdem soll es laut, klar und transparent produziert sein.

Drei bis vier richtig gut produzierte Titel reichen in der Regel aus, es sei denn, Du zielst auf einen One-Hit-Wonder-Club-Hit hin, dann genügt auch ein einzelner Track – und selbst hier empfiehlt es sich, zumindest noch einen alternativen Club-Mix mitzuliefern.

 

Vorarbeit

Klammern wir den oben genannten Single Hit einmal aus. Im Normalfall läuft es bei einem Plattenvertrag auf die Veröffentlichung eines Albums hinaus, vielleicht sogar zwei, jedenfalls denkt man durchaus mittel-bis langfristig. Die Plattenfirma greift natürlich umso lieber zu, wenn sie erkennen kann, dass bei Dir schon ein gewisser Background vorhanden ist.

Da wäre überhaupt die Erkenntnis, dass Du bereit bist, alles (ethisch und moralisch vertretbare und diverses andere) für Deinen Erfolg zu tun. Schließlich wird das Label hier und da ein paar kurzfristige Termine für Dich ausmachen, denen dann keine beruflichen oder privaten Verpflichtungen im Weg stehen dürfen. Und wie könntest Du einen besseren Beweis liefern als durch eine gehörige Portion Eigeninitiative?

Bei einer der MusicBiz Madness Konferenzen erklärte Promoter Carsten Collenbusch (The Finest Noise), dass Musiker durchaus zwei Jahre in ihr Vorhaben investieren sollten, bevor sie ein Plattenlabel kontaktieren. Es geht dabei um Deine selbst geschaffene Basis mit Fans, medialer Präsenz und daraus folgender Bekanntheit, auf der die Plattenfirma dann aufbauen kann, oder einfach die Erkenntnis gewinnen kann, dass Deine Musik in der Szene Anklang findet.

e-Book "Kick A** Music Marketing" - Musik professionell vermarkten
Die Kontaktperson

Bist Du, oder seid Ihr, dann so weit, einem Label auch etwas bieten zu können (es will sein Geld ja gut angelegt wissen), kannst Du Dich um die Kontaktaufnahme kümmern.

Natürlich ist es sinnvoll, ganz oben anzufangen und erst einmal die ganz großen abzuklappern. Wäre doch schade, wenn Du „nur“ bei einem winzigen Indie Label landest, da Du die Majors ignoriert hast. Manchmal liefert Dir eine vernünftige Betrachtungsweise aber auch die Erkenntnis, dass Deine Musik eben nicht majortauglich ist, sondern wesentlich besser bei einem spezialisierten Indie aufgehoben wäre. Klar, ein Metal Label kann ein Metal Album viel besser vermarkten als ein Allround Label.

Nimm Dir die Zeit, herauszufinden, wer bei einem Label Dein passender Ansprechpartner ist. Im Normalfall ist das ein A&R Manager. A&R steht für „Artist and Repertoire“, es handelt sich also um jemanden, der sich um die Künstler und deren Musik kümmert. Bei den Majors gibt es mehrere stilistische Abteilungen (z.B. Pop, Rock, Domestic, Classical…), in denen wiederum unterschiedliche Menschen arbeiten.

Doch selbst bei kleineren Labels, die sich auf ein bestimmtes Genre spezialisiert haben, kann es mehrere A&Rs mit klar definierten Tätigkeitsfeldern geben (z.B. Classic Metal, Brutal Metal, deutschssprachiger Metal).

Wenn Dir die Suchmaschine Deines Vertrauens keine exakten Informationen liefert, gibt es weitere Möglichkeiten, die Namen, eMail Adressen und Telefonnummern der Entscheidungsträger herauszufinden, zum Beispiel Verzeichnisse und Portale wie Songlink, The Music Business Registry, mediabiz oder The Indie Bible. Vielleicht wirst Du auch über Xing oder LinkedIn fündig.

 

Die Kontaktaufnahme

A&Rs haben viel zu tun, so dass zwischen Meetings und dem Kaffeevollautomaten (sorry, das musste sein) nicht viel Zeit bleibt, um Anrufe entgegenzunehmen. Von daher ist eMail wieder einmal das Mittel der Wahl.

Fasse Dich kurz. Ein Satz zu Dir und Deiner Stilrichtung und ein weiterer zu Deinem Vorhaben genügen als Einleitung:

„Hallo Alfred (unbedingt mit Namen ansprechen),

ich bin Max Mustermann von der Oi Punk Band MusterMaxx aus Stuttgart. Wir haben uns über zwei Jahre hinweg einen Namen in der deutschen (oder: internationalen) Oi Szene gemacht und möchten nun den nächsten Schritt gehen und zusammen mit einem Label unsere Reichweite vergrößern.“

Jetzt kannst Du Deinem Alfred noch etwas „Beweismeterial“ dafür liefern, dass Ihr einen gewissen Bekanntheitsgrad habt:

„Wir konnten in Eigenregie 1.000 Tonträger verkaufen, haben monatlich 10.000 Hörer bei Spotify, unser letztes Video wurde 84.000 Mal angesehen. Des weiteren waren wir als Support von Dirt Cheap Thrills und den Radauschwestern auf Tour, mit letzteren führen wir gerade Gespräche für deren nächste Tournee.“

Die Namen habe ich natürlich frei erfunden, jegliche Übereinstimmungen mit lebenden… …unbeabsichtigt und zufällig. Gut, MusterMaxx haben schon einige Errungenschaften vorzuweisen, aber genau darüber freut sich das Label. Es ist wie bei Startups, die um Geld von Investoren werben: je mehr sie selbst schon geleistet haben, umso besser können ihre Investoren die Lage einschätzen und umso sicherer fühlen sie sich dabei. Betrachte das Plattenlabel als Deinen Investor.

Alfred wird sich freuen, wenn Du ihn verstehen lässt, dass Du Deine Hausaufgaben gemacht hast und ihm auch gleich etwas Anregung zum weiteren Vorgehen gibst:

„Da Du bereits mit den Bands Auf Die 12 und Fistfacesuckerpunch arbeitest, denke ich, dass wir Euer Artist Roster sehr gut ergänzen und künftig mit drei Speerspitzen auf die Szene losgehen könnten.“

Nun folgt in Deiner eMail noch ein Link. Einer. Richte auf Deiner Website eine Seite für die Bewerbung bei den Plattenfirmen ein, auf der alles zu finden ist:

  • Demosongs zum Streamen (also zum gleich anhören) sowie zum Herunterladen. Versehe die mp3s mit Deinen Kontaktinformationen.
  • Ein Video, in dem zu erkennen ist, wie Du in Zusammenhang mit Deiner Musik herüberkommst.
  • Fotos (ein gestelltes Studiobild und ein Livefoto)
  • Kurzer (!), prägnanter (!) Infotext: wer, was, wie lange, wie viel, ggf. mit wem…
  • Aufforderung an das Plattenlabel: was willst Du, was erwartest Du (z.B. Veröffentlichung nur in Deutschland, GAS, Europa, Welt mit entsprechender Marketingkampagne – und wann…)
  • Links zu weiterem Material, das Deine Popularität belegt, wie Spotify, Facebook, Instagram*
  • Deine vollständigen Kontaktdaten, damit man Dich bequem, und am besten sofort, erreichen kann. Handelt es sich bei Deiner Band um eine GbR oder gar eine GmbH, gib das bitte zusätzlich an.

*) Natürlich wissen viele A&Rs, speziell in stilistischen Nischen, dass Likes und Follower nicht alles sind. Es gibt genügend Bands und Musiker, die weitaus mehr Musik verkaufen, als ihre Social Media Zahlen vermuten lassen. Die Gewichtung von Social Media hängt dabei auch von der Musikrichtung ab. So ist Social Media für Hip Hop im Grunde essentiell, in Bereichen wie Jazz oder Klassik dagegen eher nur als Ergänzung zu betrachten.

Bedanke Dich bei Alfred für seine Zeit und Mühe und lass ihn wissen, dass Du Dich freust, von ihm zu hören. Es soll helfen, auch hier schon konkrete Vorschläge hinsichtlich des weiteren Vorgehens zu machen:

„Wie wäre es mit einem Telefongespräch am kommenden Freitag Nachmittag?“ oder „Ich bin am kommenden Dienstag in (Name der Stadt, in der das Label ansässig ist) und könnte dabei gerne persönlich bei Dir vorbeikommen“. (Letzteres muss ja nicht zwangsläufig stimmen, wenn Du Dir trotzdem den Weg dorthin machen willst).

Hake intuitiv nach sieben, zehn oder 14 Tagen noch einmal nach. Vergiss nicht, am Ende Deiner eMail Deine vollständigen Kontaktdaten aufzulisten. Das gehört sich so.

Glücklich kannst Du Dich schätzen, wenn Du bei einem Branchenevent einem A&R über den Weg läufst – und ihn erkennst. Auch wenn bei solchen Gelegenheiten die Zeit noch knapper vorhanden ist als anderswo, kannst Du hier gerne Dein Projekt vorstellen und das Interesse abklopfen. Man nennt das „Elevator Pitch“, also ein Anpreisen von Ware und Diensten während einer Aufzugfahrt:

Oi Band, seit zwei Jahren in der Szene bekannt, 1.000 verkaufte Alben, 10.000 Spotify Hörer im Monat, mit bekannten Acts getourt – wollen den nächsten Schritt mit einem Label gehen. Interesse? Wie können wir vorgehen?“

Ich habe das gerade in weniger als 15 Sekunden heruntergebetet. Frag den A&R, auf welchem Weg und wann (er wird nach dem Event garantiert erst mal alles aufarbeiten müssen) Du ihm Dein Demo- und Infomaterial schicken kannst.

Nach diesem garantiert kurzen Gespräch wird es wieder auf eine Bewerbung per eMail hinauslaufen, aber diesmal kannst Du Dich auf das persönliche Gespräch beim Branchenevent beziehen – während Deine bloße Anwesenheit dort wiederum für die Ernsthaftigkeit Deiner Absichten spricht. Umgekehrt geht es natürlich auch: Steht ein Event an, kannst Du am Ende Deiner Bewerbung dort ein persönliches Treffen vorschlagen.

So, Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Es ist aber eine Tatsache, dass eine persönliche Bewerbung, an den richtigen Ansprechpartner gerichtet, mit Qualitätsbeweis und konkreten Vorschlägen definitiv zu mehr Erfolg führt als der Upload eines Songs in die „Demo Box“ des Labels.

Viel Erfolg!

 

*********************************************
MusicBiz Madness ist Deutschlands erste
Musikbusiness Konferenz für Musiker
*********************************************
nbmt

Newsletter

Mit dem MusicBiz Madness Newsletter erfährst Du bequem und automatisch von neuen Artikeln.

Außerdem erhältst Du weitere Tipps über das Musikbusiness, die wir sonst nirgendwo veröffentlichen – also richtig exklusiv

Obendrein bekommst Du Zugang zum eBook
„Einkommensquellen für Recorded Music“.

 

Name:

eMail-Adresse:

anmelden

Über Julian Angel

Julian Angel ist chartnotierter Rockmusiker mit Hollywood Filmmusik Credits, Eventproduzent und Organisator der MusicBiz Madness Konferenz, Deutschlands erster Musikbusiness Konferenz für Musiker.
Dieser Beitrag wurde unter allgemein, Musikbusiness, Plattenlabels, recording, social media abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.