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Interview: TryHardNinja – Nischenerfolg über Youtube

Interview: TryHardNinja – Nischenerfolg über Youtube

Igor O., der Musiker hinter dem Soloprojekt TryHardNinja, beweist, wie viel Potential in kleinen Marktnischen steckt. Auf sein Marktsegment wären die meisten gar nicht gekommen. Für ihn läuft es dort bestens und er zeigt sich im Gespräch sehr redselig und spricht über Youtube Monetarisierung, Social Media, Marketing, Crowdfunding Ideen und vieles mehr.

Julian Angel (J.A.): Zwei Dinge, die mir sofort an Dir gefallen haben sind, dass Du einmal eine ganz spezielle Marktnische für Dich gefunden hast, und dass Du das, was Du tust, in einem einzigen Satz beschreiben kannst. Aber bitte erzähle uns selbst etwas über Dich und Deine Musik.

TryHardNinja (THN): Ich habe schon eine Ewigkeit lang Videospiele gespielt und singe seit der Highschool. Es erschien mir einfach sinnvoll, beide Dinge, die mir so viel Spaß machen, zu verbinden. Ich bin ein unabhängiger Musiker, der Musik schreibt und spielt, die von bekannten Videospielen inspiriert ist. Ein unabhängiger Musiker zu sein bedeutet für mich, dass ich keine Unterstützung eines Labels und keine Sponsorengelder von irgendwelchen Firmen bekomme.

Ich produziere auch meine eigenen Musikvideos, die ich auf Youtube poste und dann durch die geschalteten Anzeigen Geld verdiene. Eine weitere Einnahmequelle sind digitale Verkäufe über iTunes, GooglePlay und andere Distributoren. Ich bin also ein Gamer, der „videospiel-inspirierte“ Musik macht, dadurch können viele andere Gamer leicht einen Bezug zu TryHardNinja aufbauen. Dazu scheint die Gaming Community auf Youtube meine Musik zu mögen.

J.A.: Sorry, ich muss diese Frage einfach bringen. Mit der Videogame Thematik, die sich sowohl in Deiner Musik als auch in Deinen Videos zeigt, sehe ich zwei Möglichkeiten auf Dich zukommen: Entweder bietet Dir ein Game Hersteller einen Deal an, oder er verklagt Dich.

THN: Die meisten Firmen sind sehr offen gegenüber guter Musik, die von Fans gemacht wurde. Bei mir hat noch niemand eine Klage eingereicht. Im Gegenteil, ein paar kleinere Entwickler haben mich in letzter Zeit gefragt, ob sie meine Songs in ihren Games verwenden können. Ich bin gerade am Verhandeln.

J.A.: Wie gehst Du marketingtechnisch vor? Youtube scheint eine große Rolle zu spielen.

THN: Youtube ist ein sehr effektiver Weg für mich, um die Menschen zu erreichen und zu binden, die meine Musik mögen. Menschen lernen mich dort kennen, und mittlerweile ist Youtube meine wichtigste Werbeplattform.

Ich biete sehr vieles an wie richtige Videoclips, Textvideos, Karaokeversionen sowie monatliche Gewinnspiele. Ganz neu ist für mich, Instrumentalversionen meiner Songs bei Soundcloud kostenlos anzubieten, so dass andere Musiker Remixes machen können. Hinzu kommt noch Twitter, wo ich permanent mit Menschen in Kontakt stehe.

J.A.: Tust Du etwas bestimmtes, um Deine Videos zu promoten?

THN: Wenn ich ein neues Video veröffentliche, sehe ich das wie ein Event zwischen mir und meinen Abonnenten. Natürlich erfahren meine Abonnenten, wenn es ein neues Video zu sehen gibt. Aber im Vorfeld twittere ich ein paar Teaser über das Video wie zum Beispiel Making Ofs, um etwas Hype aufzubauen. 

J.A.: Youtube Monetarisierung ist für viele Musiker immer noch eine Grauzone. Könntest Du uns bitte einen Einblick darüber geben, was man damit verdienen kann?

THN: Youtube monetarisierung schwankt immer ein Bisschen und wird stark geheim gehalten. Viele Multi Channel Networks verlangen eine Verschwiegenheitserklärung über die Summen, die Du bezahlt bekommst. Im Allgemeinen wirst Du pro 1.000 Clicks bezahlt. Die Höhe der Summe richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie der Länge des Videos und manchmal sogar nach der Jahreszeit.

Durchschnittlich bekommst Du wohl irgendetwas zwischen 80 Cent und 1,50 Dollar pro 1.000 Clicks. Wenn Du also zum Beispiel im Dezember, wo viel Werbung in Hinblick auf Weihnachten geschalten wird, gut mit dabei bist, kannst Du zwischen 150 und 200 Dollar für 100.000 Clicks bekommen.

J.A.: Von solchen Clickraten können die meisten natürlich nur träumen. Wie läuft das Ganze dann technisch ab? Wie kommt man an sein Geld? Nutzt Du das Youtube Monetization Program von CD Baby?

THN: CD Baby nutze ich in Hinblick auf Youtube gar nicht mehr. Ich hatte meinen Kanal schon weit bevor CD Baby das überhaupt angeboten hat. Vor drei oder vier Jahren tauchten Netzwerke wie Machinima, Maker oder mein aktueller Anbieter Collective Digital Studio auf. Diese Firmen platzieren eben die Anzeigen in Deinen Videos gegen einen kleinen Anteil an Deinen Einnahmen. Viele davon haben unterschiedliche Modelle, daher würde ich empfehlen, einige davon zu kontaktieren, um zu sehen, was am besten für Dich ist. Ich habe zum Beispiel für meinen eigenen Kanal eine Partnerschaft mit Collective Digital Studio, während ich mit einer anderen Firma, AdRev, arbeite, um Geld zu bekommen, wenn Videos mit meinen Songs in anderen Kanälen gefunden werden.

J.A.: Würdest Du Dein Marketing als komplett auf sozialen medien basiert betrachten, oder vermarktest Du Dich auch z.B. über klassische Pressemitteilungen und im Radio?

THN: Meine Herangehensweise ist komplett digital und baut auf sozialen Medien auf.

J.A.: Im letzten Jahr hast Du eine Crowdfunding Kampagne gestartet. Die höchsten Beiträge wurden dabei gezahlt, um als Zeichentrickfigur in einem Deiner Videos aufzutauchen. Ein weiterer Charakterzug Deiner speziellen Nische?

THN: Ich hielt das für etwas absolut einzigartiges. Es war eine begrenzte Sache, maximal konnten dies acht Menschen kaufen, was es in meinen Augen etwas besonderes gemacht hat. Die meisten meiner Musikvideos sind Zeichentrickvideos, ich glaube, das wird gut ankommen.

J.A.: Große Nachfrage gab es im Rahmen des Crowdfunding auch für Deine CDs. Aktuell scheinst Du aber keine CDs im Angebot zu haben…

THN: Ich verkaufe durchaus auch CDs, allerdings keine signierten. Man kann sie zusammen mit Postern auf meiner Website https://tryhardninja.bandcamp.com/merch erwerben. Die CDs, die man exklusiv im Rahmen der Crowdfundingkampagne erwerben konnte, waren alle handsigniert.

J.A.: Du bist bei iTunes, Amzon und Konsorten, bietest on-demand Merchandise an, hinzu kommt die angesprochene Monetarisierung bei Youtube. Könntest Du bitte einmal aufschlüsseln, wie hoch der Anteil der jeweiligen Einnahmequellen an Deinem Gesamtumsatz ist?

THN: iTunes macht 50% aus, Youtube ungefähr 25%, alle anderen Vertriebe sowie Tantiemen von ASCAP und Soundexchange machen weitere 25% aus.

J.A.: Gibt es Pläne für die Zukunft, die Du hier bekannt geben magst?

THN: Ich suche gerade nach einem Weg, regelmäßig zwei Videos pro Monat veröffentlichen zu können. Eine Möglchkeit wäre, über einen Patreon Account die Kosten zu decken, die für die Produktion von Musik und Video anfallen. Es ginge dabei um monatliche Spenden. Wer etwas dazu beiträgt, erhält im Gegenzug exklusive Einblicke und Zugang zu den Videos, bevor sie veröffentlicht werden sowie das eine oder andere Goodie.

J.A.: Deine berühmten letzten Worte…

THN: Es gibt so viele Wege, Deine Musik selbst zu vertreiben, dass Du nicht länger darauf warten musst, von einem großen Label entdeckt zu werden. Ich weiß, das klingt sehr klischeebeladen, aber ich denke, der beste Weg, etwas zu tun, dass Du liebst, ist es einfach zu tun.
Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, so ausführlich auf alle Fragen zu antworten.

TryHardNinja’s Youtube Kanal, offizielle Facebook Page.

 

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About the Author

Julian Angel

Julian Angel ist chartnotierter Rockmusiker mit Hollywood Credits, Eventproduzent und Organisator der MusicBiz Madness Konferenz, Deutschlands erster Musikbusiness Konferenz für Musiker.

Comments
Marc  12 Mar 2016

Ein wirklich tolles Interview! Ich persönlich kenne den Ninja gar nicht. Aber ich finde es wirklich bewundernswert und spannend zugleich , wie er sein Business aufzieht.

Danke für die restlichen guten Artikel :)

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