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Likes sind keine Währung

Likes sind keine Währung

Viele Musiker neigen dazu, lieber Facebook Likes zu sammeln als tatsächlich Musik zu verkaufen. Aber was bringt das Marketing bei Facebook? Ist Facebook überhaupt als Marketingtool geeignet? Warum wird jedem Musiker geraten, seine Fans über Facebook zu gewinnen? Und warum gibt es im Gegensatz dazu immer mehr Musiker, die ihre Facebook Page auf Eis legen oder gar löschen? Die grundlegende Frage, mit der wir uns heute befassen wollen, ist, ob man über Facebook wirklich Musik verkaufen kann…

Ignorante Fans und begrenzte Reichweite

Die Situation ist diese: Facebook User vergeben ihre Likes of sehr leichtfertig. „Fan“ von hunderten von Bands zu sein ist für viele keine Seltenheit, was die Frage aufwirft, in wie weit sie sich mit all diesen Bands beschäftigen, geschweige denn sich an ihre Namen erinnern können. „Ich glaube nicht, dass sich all die Fans, die meine Band Page geliked haben, wirklich für unsere Musik interessieren“ sagt Rockmusiker Jo Kimbrell.

Linda McMinn vom englischen Webzine Mayfair Mall hört die Stories von sämtlichen Bands und Musikern, die sie interviewt: „Facebook ist Unsinn, um eine Band bekannt zu machen.“

Aufklärung liefert Social Media Expertin Katja Köhler bei der letzten MusicBiz Madness Konferenz: „Insbesondere Facebook User interessieren sich überwiegend für sich selbst“. Sollte man Facebook also überhaupt als (primäres) Werbemedium nutzen, um Fans zum Kauf von Musik zu bewegen? „Facebook ist ein Tool, um Informationen und Meinungen zu sammeln. Man sollte es aber niemals als Verkaufstool verwenden. Dieser Nutzen wäre wenn dann sekundär“ sagt Köhler weiter.

Phil Vanderkill von den österreicher Rockern Sergeant Steel nutzt Facebook lediglich, um den Kontakt zu halten. „Aber sehr viele Fans, die unsere Musik gekauft haben, folgen uns nicht auf Facebook. Es gibt da draußen noch diese seltsame reale Welt“ sagt der Sänger mit einem Schmunzeln.

Der Norweger Vitne hat seine Page suspendiert und kommuniziert nur noch über sein persönliches Profil. Gerade auch die Facebook „Mechanismen“ sind dem Erfolg seiner Page hinderlich: „Meine Posts werden höchstens zehn Prozent der Fans angezeigt, den Rest soll ich über Facebook Anzeigen erreichen“ beklagt er. Dass die User regelrecht „anzeigenresistent“ seien, erklärte wiederum Expertin Katja Köhler anhand gesammelter Statistiken.

Aber wie soll man seine Fans dann erreichen?

„In Europa und insbesondere Deutschland sind die Fans noch eher konservativ eingestellt“ sagt Promoterin Birgitt Schwanke von GerMusica Promotion, weshalb auch Printmedien und Retailwerbung nach wie vor hoch im Kurs stünden, noch vor Musikwebsites. „Social Media dient hier als Ergänzung zum Branding sowie zur interaktiven Kommunikation mit den Fans“.

Ähnlicher Meinung ist Finest Noise Inhaber Carsten Collenbusch: „Vielleicht kann man seine Facebook Freunde auf die Veröffentlichung eines neuen Albums hinweisen, per eMail hat man hier aber sicherlich mehr Erfolg“. Auch über Outlets wie CD Baby oder iTunes würden insbesondere kaufwillige Fans durch Stöbern wesentlich effektiver auf neue Bands aufmerksam.

Außerhalb kostenloser sozialer Medien vertreten zu sein, ist wie ein Filter. Man grenzt sich ab von denen, die den nächsten Schritt nicht gehen wollen, nicht können oder nicht daran glauben. Sänger Toney Richards aus Los Angeles meint dazu: „Du musst in den großen Medien vertreten sein. Das verschafft Dir Glaubwürdigkeit. Außerdem solltest Du live spielen. Viele Konzerte spielen und dabei CDs verkaufen“.

Die Band Beautiful Beast hat keinen Zweifel daran, wo ihre Fans herkommen: „Wir haben weitaus mehr CDs verkauft als wir Facebook Fans, geschweige denn Newsletterabonnenten haben. Diese Käufer müssen also eher auf herkömmlichem Wege auf uns aufmerksam geworden sein. Wir haben über einhundert Medienkontakte bemustert von Print über Online bis Radio“.

Am Ende lässt sich also sagen, dass Facebook ein netter Weg ist, um mit gewissen Fans in Kontakt zu bleiben sowie Stimmen und Meinungen einzuholen. Das kaufbereite Publikum findet man dagegen überwiegend außerhalb sozialer Medien in der jeweiligen Stilnische. Und wer ernsthaft Erfolg haben will, wird auch um eine Investition nicht herumkommen.

 

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About the Author

Julian Angel

Julian Angel ist chartnotierter Rockmusiker mit Hollywood Credits, Eventproduzent und Organisator der MusicBiz Madness Konferenz, Deutschlands erster Musikbusiness Konferenz für Musiker.

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