Musiker, hast Du ein Problem?

Musiker, hast Du ein Problem?

Eine ganze Menge Musiker sind dem Aufruf durch den MusicBiz Madness Newsletter gefolgt und haben ihr „größtes Problem“ im Musikbusiness beim Namen genannt. Die Antworten waren wenig überraschend: Echte Fans zu erreichen, die auch Musik kaufen, war das häufigste Problem, gefolgt von mangelnder Resonanz von Veranstaltern. Also, Marketing und, nennen wir es mal, „People Skills“. Lasst uns diese Probleme wenigstens grundlegend angehen.

Fans, die auch Musik kaufen
Jaja, ich bin auch bei Facebook, bin mir aber im Klaren darüber, dass ich dort nicht reich werde. Zu viele Selbstdarsteller, zu wenige wirklich Interessierte. Nach gut fünf Jahren Präsenz habe ich ganze zwei Gruppen gefunden, in denen sich echte Fans meiner Musikrichtung treffen und ernsthaft (!!!) austauschen, ihre neu gekauften Alben fotografieren und hochladen und dann kompetente Diskussionen führen. Ich werte das als Glücksgriff.

Es besteht ein großer Unterschied zwischen Menschen, die eine bestimmte Musikrichtung mögen und jenen, die diese Musik lieben und auch kaufen. Zwar kann man per Facebook Menschen erreichen, die auf Hip Hop stehen, beim Kriterium „Hip Hop Fans, die monatlich mindestens vier Alben von ungesignten Acts kaufen“ gibt der Suchfilter allerdings auf.

Ein zielsicherer Weg, genau solche Fans zu erreichen, führt in einschlägige Shops. Man nennt sie Mailorder Shops. Es gibt sie in fast allen Größen und für nahezu jede Musikrichtung, inklusive Subkategorien. Viele dieser Shops haben ein großes Repertoire an Eigenproduktionen im Programm, in anderen Worten, sie sind gerne bereit, Tonträger ungesignter Bands aufzunehmen. Hier stöbern eingefleischte Fans auf der regelmäßigen Suche nach Neuerscheinungen und Sonderangeboten.

Natürlich erwarten diese Shops entsprechendes Engagement seitens der Musiker. Sprich, es sollte etwas Promotion betrieben werden. Und hierfür gibt es wiederum Musikblogs und Musikwebsites, die sich auf bestimmte Stilrichtungen spezialisieren. Persönlich (!!!) Kontakt aufnehmen, CD schicken, freundlich nachhaken und eine Albumkritik bekommen. Danke sagen und höflich nach einem Interview fragen. Es funktioniert.

Doch warum Musikblogs und „Online Magazine“? Hier finden Fans gefilterte Informationen, die oft im Heuhaufen der Facebook Gruppen untergehen und daher zu schwer zu finden sind. Die großen Player interessiert das Album eines unbekannten Musikers zwar wenig bis gar nicht, doch der Underground bietet einen sehr guten Nährboden für Bands und Fans zugleich.

Gezielte Ansprache
Wir wollen weder beim Marketing noch bei der Bewerbung um Gigs wild um uns herumballern und hoffen, dass einer von zwanzig Schüssen sitzen wird. Stattdessen wollen wir dort auf uns aufmerksam machen, wo unsere Stilrichtung gefragt ist. Die großen Magazine sind uns viel zu allgemein, über einen Free-Jazz Blog, eine House Website oder ein Death Metal Fanzine können wir dagegen ins Schwarze treffen.

Die passenden Zielgruppen sind über die ganze Welt verteilt und mit Hilfe des Internets heute auch erreichbar. Die Promotion muss sich also nicht mehr auf die eigene Heimat beschränken, sondern sie sollte überall dort stattfinden, „wo es Leute gibt, die solche Musik hören“. Die oben genannten Shops und Blogs stellen einen virtuellen Treffpunkt dar, an dem Musiker und Fans zusammenkommen können.

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Auch im Livebereich sollten wir uns eher auf die jeweilige Szene konzentrieren anstatt an unserem Status als lokale Größe zu arbeiten. Bevor sich eine Gothic Band also abmüht, das allgemeine Publikum in irgendeinem Liveclub in ihrer Stadt zu erreichen, sollte sie lieber gleich in einem Gothic Club in einer anderen Stadt auftreten. Sprich, lieber in der Szene bekannt sein als in der Stadt.

Der Kontakt zu Veranstaltern
Ganz ehrlich, es gibt weder ein Geheimrezept, noch irgendwelche Tricks. Wenn der Veranstalter nicht will, dann will er nicht. Es gibt aber ein paar Möglichkeiten, die Chancen auf einen Gig zu erhöhen – und diese sind sogar recht einfach, man muss sich nur überwinden…

Je persönlicher und direkter die Kontaktaufnahme, umso besser. Natürlich können wir nicht jedem Veranstalter im Land einen persönlichen Besuch abstatten, aber ein Telefonanruf wäre die nächstbeste Möglichkeit. Vorher sollten wir recherchieren, wer denn der passende Ansprechpartner ist, soweit dies irgendwie bekannt ist. Bevor wir aber in Ermangelung von Telefonnummer und Ansprechpartner die viel zu häufige „Hallo Leute, wir sind…, wir wollen spielen“ eMail verschicken, können wir ein Bisschen recherchieren:

Sämtliche Interneteinträge des Clubs durchforsten oder Bands fragen, die bereits dort aufgetreten sind. Vielleicht gestattet es uns ja die eine oder andere Band, uns auf sie zu berufen und dem Veranstalter Grüße auszurichten.

Bleibt eine eMail die einzige Möglichkeit, sollte diese natürlich persönlich sein. Auch wenn uns ein Name fehlt, können wir uns auf den Club beziehen („…würden gerne im Star Club auftreten.“).

Gründe für einen Auftritt liefern
Veranstalter bekommen tatsächlich viel mehr Bewerbungen als Konzerttermine vorhanden sind. Oft liest ein Veranstalter eine Bewerbung und fragt sich, was die Band denn überhaupt will. Bewerbungen, die lediglich ausdrücken, dass es eine Band gibt, und dass diese Band für Gigs gebucht werden kann, sind heute nicht mehr konkret genug.

Stattdessen ist es sinnvoll, dem Veranstalter gleich ein paar Vorschläge zu liefern, wann, warum und zu welchem Anlass die Band gut passen könnte. Gibt es dort bestimmte Motto-Veranstaltungen, die auf uns zugeschneidert sind? Treten ähnliche Bands auf, so dass wir gut zur Ausrichtung des Clubs passen würden? Oder gibt es dort keine Auftritte stilverwandter Bands und wir könnten die ersten sein? Planen wir eine Tour innerhalb eines bestimmten Zeitraumes?

Auch wenn insbesondere im letzten Fall kein Termin zustande kommt, haben wir wenigstens einmal einen Fuß in der Tür – und hoffentlich eine Telefonnummer in der Hand – und befinden uns bei der nächsten Bewerbung in einer wesentlich besseren Position.

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sämtliche Aktionen dort hin zielen bzw. dort stattfinden sollten, wo unsere Musik gefragt ist. Das heißt Metal Magazin statt Tageszeitung, Hip Hop Schuppen statt Allroundbühne und winziger Blues Sender statt Lokalradio. Hinzu kommt die persönliche Kontaktaufnahme mit allen beteiligten und der eine oder andere Wink mit dem Zaunpfahl – oder dem ganzen Zaun…

 

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About the Author

Julian Angel

Julian Angel ist chartnotierter Rockmusiker mit Hollywood Credits, Eventproduzent und Organisator der MusicBiz Madness Konferenz, Deutschlands erster Musikbusiness Konferenz für Musiker.

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