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Micro Payments (F*ck ’em)

Micro Payments (F*ck ’em)

Kleinvieh soll viel Mist machen? Wenn ausgerechnet die Gründer fragwürdiger Geschäftsmodelle großzügig wie -spurig erklären, wie das Musikbusiness künftig aussehen wird, läuten bei mir die Alarmglocken mit viel Anteil im schrillen 2-3 kHz Frequenzbereich.

So hören und lesen wir immer wieder von sogenannten „Micro Payments“. Kleinstbeträge auf unseren Konten, die sich irgendwann ansammeln sollen wie Fliegenscheiße auf dem Fenster, bis wir nichts mehr sehen können.

Doch das dauert, vor allem, wenn man als Anbieter dafür gesorgt hat, dass die aufgelaufenen Halbcentbeträge erst ab einem Schwellenwert von 25, 50 oder 100 Dollar an die Produktiven ausgezahlt werden.

Doch wo gibt es diese Micro Payments denn? Spotify ist ein Musterbeispiel. Youtube ebenfalls. Musiker erhalten winzigste Kleinstbeträge von ganz vielen Hörern, Nutzern oder wie auch immer wir sie nennen wollen.

Hinzu kommen meine Lieblingsdienste: Music Libraries, die quasi das gesamte weltweite Musikprogramm ohne großes Zutun bereitstellen, damit es für private Hochzeits- und Urlaubsvideos als Untermalung genutzt werden kann.

Für einen faulen Apfel und ein gebrochenes Ei – oder gar völlig gratis, schließlich gibt es ja Minicent-Tantiemen für die Musiker, wenn sich Oma Erna und Onkel Wilhelm das Hochzeitsvideo bei Youtube ansehen. Und wenn das regelmäßig so läuft, hat man als unabhängiger Musiker bereits nach zehn Jahren den Schwellenwert zur Vermögensauszahlung erreicht. Bravo.

Der Gipfel der Dreistigkeit ist für mich aber die stets galante Aufforderung der Dienstleister an „ihre“ Musiker, sie mögen doch ihre Fans darauf aufmerksam machen, dass sie ihre Songs in ihren selbstgedrehten Clips verwenden können. Und hier wollen wir einhaken:

Wir sollen also mal ganz nebenbei ein paar tausend Menschen zu Micronutzungen auffordern und am besten jede Woche zum nächsten hippen Portal schicken, um auch dort ein Konto zu eröffnen, nur um uns dort anzuhören, damit wir uns nach zehn Jahren einen Zwanziger abbuchen können?

Nun kommt meine kontroverse, stets inkorrekte Haltung ins Spiel. Trotz aller moralisch selbstverständlich unanfechtbarer Hipness der Branche hat mich meine Lebenserfahrung dies hier gelehrt:

Es ist leichter, einem Menschen einen Sack Kartoffeln zu verkaufen, als hundert Menschen jeweils eine einzelne Kartoffel aufzuschwätzen. Der Aufwand ist nämlich pro Person in etwa gleich, vorausgesetzt, man hat überhaupt einmal 100 potentielle Abnehmer ausfindig gemacht.

Aus diesem Grund setze ich auf den Sack Kartoffeln:

  • Eine CD verkaufen statt um ca. 4.000 Streams kämpfen.
  • Einen Song in einem richtigen Film oder Werbespot platzieren statt zu warten, dass ihn ein paar hundert Hochzeitspaare in ihr Video einbauen und zu hoffen, dass dieses dann von tausenden ihrer Freunde mehrmals angesehen wird.

Und dann müssen wir ja noch hoffen, dass der großzügige Microanbieter vor Erreichen des Auszahlungsschwellenwertes nicht auch noch pleite geht, weil sich das Geschäftsmodell in der Realität eben nicht durchsetzen konnte, auch wenn man die Posten Werbung und Akquise auf die Musiker abgewälzt hat.

In diesem Sinne: Don’t f*ck with me, go f*ck yourself !!!

 

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About the Author

Julian Angel

Julian Angel ist chartnotierter Rockmusiker mit Hollywood Filmmusik Credits, Eventproduzent und Organisator der MusicBiz Madness Konferenz, Deutschlands erster Musikbusiness Konferenz für Musiker.

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